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Bildungsstreik II: Gegen das Schlechte oder doch nur gegen Verschlechterungen?

17. Juni 2009

Nicht nur GSPler machen sich Gedanken über den Bildungsstreik und sogar Diskussionsabende zum Thema, wie mir ein vielleicht wohlmeinender Genosse meinte, stecken zu müssen, nein bei Blogsport, dem Szenehoster für die neue Jugend gibt es auch die ganz alte Jugend zu bewundern: Folgenden Beitrag habe ich auf dem Blog der SDAJ Aachen gefunden (Warum die neben ihrer eigenen Webseite auch noch den identischen Abklatsch als Blog betreiben, ich weiß es nicht. Vor allem, wo sie Kommentare überhaupt nicht zu mögen scheinen:

Immer mehr Stress und Druck: Ständig Vergleichsarbeiten, Zentrale Abschlussprüfungen, Schulzeitverkürzung mit G8, Kopfnoten, Trainingsräume, überfüllte Klassen mit über 30 SchülerInnen, keine Demokratie an der Schule, Pauken statt Lernen, Konkurrenzkampf und Selektion.

Gleichzeitig fehlen vernünftige Schulkantinen oder es gibt teures, meist schlechtes Essen. Es fehlen vernünftige Aufenthaltsräume zum Erholen. Bücher, Kopien und Unterrichtsmaterial fehlen, sind veraltet oder kosten viel Geld. So manches Schulgebäude ist marode und kaputt. Die hohe Benachteiligung von Kindern aus Arbeiterfamilien, sowie von Kindern mit ausländischer Abstammung ist statistisch erwiesen. Immer mehr private Unternehmen nutzen den Geldmangel der Schulen aus und spielen sich als Sponsoren auf, nutzen ihr Geld um Werbung zu machen und Einfluss in der Schule zu gewinnen.

So geht das nicht weiter. Dagegen wollen wir uns wehren. Am Bildungssystem wurde konsequent gespart. Es wurden Druckmittel wie die Kopfnoten eingeführt, Demokratische Rechte der SV abgebaut und die Selektion beispielsweise durch die Schulzeitverkürzung verschärft. All dies nützt vor allem den Unternehmerverbänden, den Banken und Konzernen. Die Funktion liegt in der verschärften Auswahl für den Arbeitsmarkt, der Zerstörung demokratischen Bewusstseins und dem erhöhten Einfluss privater Unternehmen auf die Schule. Obendrein bleibt für die Wirtschaft mehr vom Steuergeld.

Wir sind aber gegen noch höheren Notendruck, Willkür, Duckmäuserei und mehr Konkurrenzkampf unter den Schülerinnenn und Schülern. Wir sind für ein demokratisches Schulsystem und die Perspektive auf ein gutes Leben danach. Dafür gilt es zu kämpfen!

Den Kampf vor Ort organisieren: Der Schulstreik ist ein mächtiges Instrument. Aber es kommt auch darauf an dran zu bleiben. Es braucht schlagkräftige SVen, die den Austausch mit jeder Klasse und jedem Schüler herstellen. Wir brauchen Sven die bereit sind auch Widerstand gegen Schulleitung und Politik zu organisieren. Wenn SchulstreikaktivistInnen der Schule verwiesen werden, neue Straf- und Druckmittel eingeführt werden, wenn Klassen aus allen Nähten platzen, Demokratie eingeschränkt wird, es an Büchern, Kantine oder Erholungsraum fehlt, dann muss vor Ort gekämpft werden. Daher: Mach mit in deiner SV! Nix mit Kuschelkurs!

– Weg mit den Kopfnoten
– Weg mit dem dreigliedrigen Schulsystem
– Weg mit G8: Nein zum Turboabi
– Weg mit Trainingsräumen und sinnlosen Verboten
– Mehr Demokratie: 50% für SchülerInnen in allen Schulgremien
– Her mit mehr LehrerInnen und kleineren Klassen: Max. 20
SchülerInnen pro Klasse
– Kostenloses gutes Mittagessen für alle SchülerInnen und Schüler
– Her mit kostenlosen Büchern, Lehrmitteln und Nachhilfe für Alle
– Allgemeinpolitisches Mandat für die SV
Eine demokratische Schule für Alle!

Denn das die Kommentare nicht übermäßig gut finden, habe ich neben der Tatsache, daß sie bisher keine zu verzeichnen haben, daran festgemacht, daß sie meinen folgenden Kommentar (auch) nicht freigeschaltet haben:

Es ist schon mal schlecht, wenn man wie ihr ausgerechnet diesen imperialistischen Staat, der nun wirklich für seine Ziele gute Gründe weiß, warum ihm die Banken soviel auch von eurem Geld wert sind, anhaut, er möge bitte stattdessen die „Bildung“ retten. So als Neuauflage der „Bildung rauf- Rüstung runter“-Sprüche von früher, mit denen ich groß geworden bin.

Zweitens, wieso eigentlich retten? Was war denn an den letzten Jahrzehnten so toll am Schul- Uni- und beruflichen Bildungswesen, daß man ausgerechnet das nun retten müßte?
Aber euch geht es offensichtlich wirklich um die verbissene Verteidung des Status Quo an den Schulen (bzw. in vielen Punkten die Rückkehr zu den guten alten Zeiten), denn euer Aufruf strotzt ja nur so vor Vergleichsformulierungen:
Schon die allerersten Worte sind da verräterisch: „Immer mehr“. Das findet ihr schlecht. Und wie wäre es mal mit einer Erklärung, warum überhaupt diese Schule „Stress und Druck“ braucht? Warum sie nicht nur Kopfnoten sondern vor allem und unabdingbar Noten braucht? Warum heißt es bei euch „Wir sind aber gegen noch höheren Notendruck“ und nicht, wir sind gegen Noten?

Wenn ihr es ernst meinen würdet mit eurer Ablehnung von „Konkurrenzkampf und Selektion“ könntet ihr nämlich gar nicht dann so danebenliegen Forderungen aufstellen wie „Weg mit dem dreigliedrigen Schulsystem“ oder „Nein zum Turboabi“. Denn daß ausgesiebt werden soll in diesem Ausbildungswesen, das wird doch mit der Verlängerung der Sieberei überhaupt nicht verändert.

Deshalb reicht es auch nicht vollmundig zu postulieren „So geht das nicht weiter“. Denn damit meint ihr ja gar nicht die demokratisch-kapitalistische Schule überhaupt, sondern nur die von euch als unangemessen angesehen aktuellen Reformen an der für euch guten alten Schule, den „Abbau“, die „Verschärfung“, „mehr Geld für die Wirtschaft“ usw. Als wenn die alte Schule nicht genauso weg gehören würde wie die neue modernisierte. Es stimmt nämlich, daß dieses Wirtschaftssystem „konsequent“ diese Art von Schule und Schulreformen braucht. Das haben sich die Herren und Frauen dieser Republik nun wirklich gut überlegt, wie sie damit den internationalen Konkurrenzerfolg Deutschlands nachhaltig fördern können. Dafür sind die ganzen miesen Maßnahmen eine einzige Förderstufe.

Wenn es euch Ernst wäre mit eurer Forderung nach einer „Perspektive auf ein gutes Leben danach. Dafür gilt es zu kämpfen!“ dann müßtet ihr die Schüler (und vor allem den Rest der arbeitenden Bevölkerung) schon zu mehr auffordern, als nur kleinere Klassen durchzusetzen. Dann müßten die nämlich die Klassen überhaupt abschaffen. Und zwar in der ganzen Gesellschaft.

Und dann könnte und müßte man sich recht bald hinsetzen und sich fragen, was die Menschen wissen und deshalb möglichst bald lernen sollten und was das dann für die Wissensvermittlung heißen würde. Aber darum geht es jetzt erst mal(leider) nicht. Und euch leider auch nicht.

Kategorien(3) Fundstellen Tags:
  1. pro_kommunismus
    17. Juni 2009, 10:18 | #1

    Die Forderung nach mehr Schulbildung wird spätestens dann absurd, wenn man sich mal den Bildungsinhalten widmet. Da lernen junge Menschen, später als Arbeitskräfte perfekt die Ansprüche der Kapitalisten erfüllen zu können. Da lernen junge Menschen, dass sie die Regierung brauchen und Deutschland lieben sollen. Da lernen junge Menschen im BWL-Studium, wie sie Schichtarbeitern mit flexiblen Arbeitszeiten das Leben noch mehr zur Hölle machen können. Usw. usf.

    Klar ist Schule Terror und weniger wäre schön für jeden jungen Menschen. Aber das die Bewegung nicht die Bildung kritisiert sondern für DIESE Bildung bessere Bedingungen verlangt, ist schade, um es freundlich zu formulieren.

  2. pro_kommunismus
    17. Juni 2009, 10:21 | #2

    P.S. Wer den Grammtikfehler in meinem Posting findet, für den war seine Schulbildung wenigstens dafür zu was gut. Kann er sich aber auch nichts für kaufen 😉

  3. 17. Juni 2009, 10:32 | #3

    „Aber das die“ statt „Aber daß die“. Und auch bei den Kommas wäre ich altmodischer. Aber, um Langhans zu paraphrasieren, das dient nun wirklich nicht der Wahrheitsfindung.

  4. 17. Juni 2009, 11:51 | #4

    „…für den war seine Schulbildung wenigstens dafür zu was gut. Kann er sich aber auch nichts für kaufen“
    Doch, in dieser verrückten Gesellschaft können das viele. Irgendwelche Formalien auswendig lernen und schon ist man z.B. Redakteur oder Volljurist und kann sich regelmäßig ne Menge für kaufen. Zumindest konnte man früher damit verbeamteter Lehrer werden. Das war für viele sogar eine anzustrebende Perspektive.

  5. Satan
    17. Juni 2009, 16:26 | #5

    Wenn’s auch nichts mit Eurer Beherrschung der Ortographie zu tun hat: eine Paraphrase sollte der personalen Zuordnung nach wenigstens aber stimmen:

    http://de.wikipedia.org/wiki/Fritz_Teufel

    Und meine Wassertinte wird’s Euch schon noch heimzahlen, gerade an meinem 66sten einen solchen Bock gebaut zu haben.

  6. der Klassensprecher von 1984
    17. Juni 2009, 19:03 | #6

    „Aber, um Langhans zu paraphrasieren, das dient nun wirklich nicht der Wahrheitsfindung.“

    Das Zitat ist des (Fritz) Teufels: http://de.wikipedia.org/wiki/Fritz_Teufel

    Davon kann man sich aber nun wirklich nichts mehr kaufen!

  7. Pingel
    17. Juni 2009, 19:15 | #7

    Dann aber bitte auch „einen solchen Bock GESCHOSSEN“! So viel Zeit sollte doch schon sein …:-)

  8. KOZA
    17. Juni 2009, 20:32 | #8

    Ja, ganz richtig, … ~*]. Nur könnte ich auch dann doch schlecht meinen KOZEL erschießen. Und lag es wirklich nur an Deiner Zeit, daß Du meinen ernsthaften Rechtschreibfehler in Ort-h-ographie nicht auch gleich gerügt hast?

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